Höllentalklamm (S)

"Wenn's dem Touristen zu gut geht, dann geht er über den Stangensteig". So oder ähnlich könnte ein bayerisches Sprichwort in Garmisch-Partenkirchen, Grainau oder Hammersbach lauten. Der Stangensteig ist die luftige Alternative für eine Wanderung über der Höllentalklamm zur Höllental-Anger-Hütte. Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sowie gute Kondition sind für die gut 5h lange Wandertour mit Startpunkt in Hammersbach erforderlich. Im Höllentalanger wurde bis zum 1. Weltkrieg Bergbau betrieben und die gewonnen Rohstoffe mussten - heute unvorstellbar - mit Schlitten oder auf dem Rücken der Bergarbeiter zu Tal gebracht werden. Ein Elektrizitätswerk sorgte bis an den Anfang des letzten Jahrhunderts für Strom, die Reste davon können heute noch gesehen werden.

Länge: ca. 10 km , 750 Höhenmeter
Dauer: ca. 5 Stunden Gehzeit
Kategorie: sehr schwer, nur für absolut schwindelfreie und trittsichere Wanderer bei guten Wetterbedingungen gehbar, knöchelhohe Wanderschuhe, Getränke und evt. Kleidung zum Wechseln erforderlich, kleine Kinder sollten in den schwierigen Passagen angeleint werden
Charakter: sehr steiler und gerölliger Hinweg, teilweise enger Weg am Steilhang, Lebensgefahr, Rückweg durch Stollen in der Höllentalklamm
Kennzeichnung auf der Kurwegkarte System Steiner: H2->H3->H1
Besonderheiten: einmalige Ausblicke, Nervenkitzel, 29m lange Eisenbrücke in 70 Meter Höhe muss überquert werden

Bei bestem Wetter und Temperaturen um 30 Grad Celsius bereits gegen 9.30 beschlossen wir, eine Wanderung zur Höllentalangerhütte zu machen, welche auch als Zwischenstation zum Aufstieg zur Zugspitze gilt. Wir planen den Hinweg über den Stangensteig, einen Höhenweg oberhalb der Höllentalklamm, und den Rückweg durch die Klamm selber. Die Anfahrt erfolgte per PKW zum ausgeschilderten und gebührenpflichtigen Parkplatz in Hammersbach, von wo aus unsere Tour zur Höllentalklamm startete. Zwar beschlichen den Autor leichte Zweifel ob des Höhenweges weil ich nicht schwindlfrei bin, aber zunächst gings ja gut voran. Von dem Parkplatz aus folgt man zunächst der Strasse Richtung Hammersbach und trifft dann auf einen Wendekreis mit Bushaltestelle. Dort zweigt - leicht zu übersehen - der Höhenweg bzw. Stangensteig H§ nach rechts ab.Wir folgen der Beschilderung zunächst auf steilem Anstieg durch einen Wald, der uns rasch ins Schwitzen bringt.Vom Wald aus erreichen wir dann eine Forststrasse, die uns nach links abbiegend ca. 2 km zum gerölligen Teil des Hinwegs führt. Auf dieser Forststrasse findet sich ein Wassertrog, der aus einem Quellzulauf mit frischem Wasser versorgt wird und an dem wir uns dankbar erfirschen. Die Temparaturen haben inzwischen die 30-Grad-Marke überschritten und wir ahnen, dass dies eine unserer schwersten Wanderungen wird. Schliesslich endet die Forststrasse und geht wieder in einen Wald über, der Boden ist nun felsig und sehr schwer zu laufen. In zahlreichen Windungen schrauben wir uns den Berg empor, der anfangs noch sanft nach links abfällt und dann immer steiler wird. Schliesslich endet der Wald und der nun recht enge Weg führt direkt am steil aufragendem Berg entlang, 2 Meter weiterb links geht es ca. 100 Meter steil in die Tiefe. Ich nehme mir vor, meinen Blick nur nach rechts zu richten um weiter voranzukommen, ein mulmiges Gefühl begleitet mich aber von nun an die nächsten 1,5 Stunden, bis wir wieder "auf sicherem Klammboden" stehen.

Nach einer besonders engen Stelle wird der Weg wieder etwas steiler, nun geht es aber über eingelassene Holzleitern am Berg entlang nach oben was auch nicht viel besser ist. Schliesslich haben wir die Engstelle hinter uns gelassen und schrauben uns wieder durch einen Wald nach oben, um nach diesem zur Eisenbrücke hinabzusteigen. Der kurze Abstieg wird Dank des deutschen Alpenvereins mit Eisenseilen etwas einfacher gemacht, die auch nach Überquerung der Brücke an den sehr schwierigen Stellen weiterhelfen.

Nach der Eisen-Brücke (Hohe Brücke) geht der Weg an steilem Berghang stetig bergab, auch hier sind Schwindelfreihet und Trittsicherheit hilfreich, zumal häufig auch etwas geklettert werden muß. Schließlich erreichen wir nach insgesamt ca. 2,5h den Boden der Klamm und der Wanderweg H3, der Stangensteig, mündet hier in den Wanderweg H1, der uns in ca. 30 Minuten zur Höllentalangerhütte führt. Auf dem Weg zur Hütte pasieren wir bei ca. 32 Grad Celsius noch Schneereste.

Hier herrscht bei diesem guten Wetter ein reger Betrieb, trotzdem werden wir schnell und freundlich bedient. Nach 1h machen wir uns auf den Rückweg, der uns durch die Höllentalklamm, einen steilen und engen Felseinschnitt der durch den Hammersbach gegraben wurde, auf den Rückweg machen. Der Weg führt zu mehr als der Hälfte durch Stollen und ist m.E. bei weitem nicht so schön zu gehen wie der durch die Partnachklamm. Bei schlechterem Wetter sollte eine Regenschutz mitgenommen werden, da es an v ielen Stellen von oben tropft. An den wenigen Aussichtspunkten  belohnt uns die Klamm mit tosenen Wasserfällen. Nachdem wir die Klamm passiert haben führt uns ein breiter und gemütlicher Wanderweg in ca. 45 Minuten wieder zum Parkplatz in Hammersbach zurück.

 

Wanderweg Höllentalklamm Karte Info

Hinweisschild alpine Gefahren

Das obere Schild sollte man ausnahmsweise ernst nehmen

Schneereste in der Höllentalklamm

Schneereste kurz vor der Höllental-Anger-Hütte bei ca. 32 Grad Celsius