Königshaus am Schachen (S)

König Ludwig der II. hat in Bayern einige architektonische Highlights hinterlassen, von denen wir auf unserer heutigen Wanderung eines besuchen, nämlich das Königshaus am Schachen. Hier hat der König sich im Sommer 2-4 Wochen aufgehalten und seinen Geburtstag und auch seinen Jahrestag gefeiert. Während der König München gar nicht mochte ("Man sollte das Kaff an allen 4 Ecken anzünden") hat er sich im Königshaus am Schachen, dem Schloss Linderhof oder dem weltberühmten Schloss Neuschwanenstein gerne erholt. Das Königshaus am Schachen ist nur zu Fuß in einer anstrengenden Wander-Tour erreichbar.

Länge: ca. 20 km , 850 Höhenmeter
Dauer: ca. 6,5 Stunden Gehzeit, nur im Sommer erreichbar
Kategorie: sehr anstrengend, knöchelhohe Wanderschuhe bei Weg über Schachentor, Getränke und evt. Kleidung zum Wechseln erforderlich
Charakter: im Hinweg teils sehr steiler und gerölliger Wander-Weg, der Rückweg führt zurück in sanftem Gefälle über anfangs schlechte Strasse
Kennzeichnung auf der Kurwegkarte System Steiner: S1->S
Besonderheiten: Kraxeltour am Schachentor in grandioser Natur, einmaliges Gebäude mit türkischem Salon

Unsere heutige Wandertour beginnt wieder am Parkplatz in Elmau und wird uns über 20 Kilomter zum Haus Schane und zurück führen. Im Sommer ist es ratsam früh zu starten um am Haus Schachen eine längere Rast machen zu können. Der hin- und Rückweg laufen bis zur Wettersteinalm auf demselben Wanderweg. Für den Hinweg haben wir uns für die schwere aber landschaftlich auch sehr reizvolle Strecke durchs Schachentor entschieden. Los gehts also am besagten Parkplatz und wir folgen der breiten Forststrasse Richtung Schachen und erreichen nach ca. 1,5h die Wettersteinalm, an der wir kurz Rast machen. Zu diesem Zeitpunkt ahnen wir nicht, dass uns die nächsten 3 km über 2,5h Zeit und die letzten Kräfte kosten werden. Schliesslich gehts links an der Wettersteinalm weiter Richtung Schachentor und wir erreichen nach kurzem Anstieg ein weiteres Hochtal namens "Die Nadel", welches eine einmalige Bergwelt darstellt und uns sehr beeindruckt. Nach kurzer Rast geht es weiter Richtung Schachentor, der Weg steigt hier sehr steil an und ist sehr schwierig zu laufen, hier müssen auf ca. 1 km Länge 300 Höhenmeter gemacht werden. Wir müssen unterwegs mehrmals anhalten um Luft zu schöpfen aber schliesslich ist es geschafft und wir stehen mit zitternden Knien auf dem Sattel des Schachentors und sehen in imposanter Gebirgskulisse das Haus Schachen.

Nach kurzer Rast geht es dann über ein steiles Geröllfeld ca. 800 Meter weiter und dann zum "normalen" Wander-Weg hinab. Ein anschliessender kurzer Aufstieg bringt uns schliesslich zur im Sommer bewirtschafteten Hütte direkt unterhalb des Schachen-Hauses.

Wir entschliessen uns, zunächst auszuruhen und Mittag zu essen. Die Selbstbedienung im Haus mag zwar theoretisch die Wartezeit verkürzen aber anscheinend ist der mürrische Jung-Wirt noch neu im Geschäft und so stehen wir uns an der Theke die Beine in den Bauch. In der Zeit können wir immerhin die Speisenkarte eingehend studieren und entscheiden uns für die ausgezeichnete Gulaschsuppe und den riesengroßen "Brotzeitteller Schachen", der locker für 4 Personen reicht. Schnell kommt man mit anderen Wanderern ins Gespräch, hier oben treffen sich die zünftigen Wandersleut, Sandal-Touristen sucht man bei diesem schwer zu erreichendem Ort zum Glück vergeblich. Von hier aus kann man in 1,5h weiter wandern zur Meilerhütte.

Inzwischen ist es 13 Uhr geworden und die anstehende Führung durch das Haus Schachen läßt uns unser Mahl vorzeitig beenden. Der frühe Abbruch des Essens hat sich gelohnt: Mit viel bayerischem Witz ("Ah, sogar das Nachtgeschirr ist blau-weiß"- "Weiß-blau würde ich sagen") und kurzweiligen Erläuterungen bringt uns der Führer bei unserer knapp 60 Minuten langen Tour das Leben und Wesen des volksnahen König Ludwig II. näher. So erfahren wir z.B., daß Ludwig seiner 3-wöchigen Residenzpflicht in München nur sehr ungern nachkam, weil er dieseStadt gehasst hat. Auf dem Weg nach München betrank er sich sinnlos und den Rückweg trat er nach den 3 Wochen pünktlich um Mitternacht an, um keine Minute länger als nötig dort bleiben zu müssen. Der sehr interessante Vortrag reicht vom Haus Schachen über das Schloss Linderhof, Neuschwanenstein bis zu dem Haus in München, auf dessen Dach der König einen Wintergarten errichten liess, der mittel verschiedener Bühnenbilder einen Ausblick auf die Alpen oder die Türkei bot und in dem ein Teich mit Schwänen eingelassen war, auf dem Ludwig der II. sich in einem Nachen rudern liess.Das türkische Zimmer im Obergeschoss ist wahrlich atemberaubend und alleine einen Besuch des Hauses wert. Hier hängt auch ein 1 tonne schwerer Kronenleuchter der wohl nie benutzt wurde. Sein Zweck ist folgender: das Haus ist für die Lage viel zu hoch gebaut und der Kronleuchter hindert das Dach, bei Sturm wegzufliegen!

Nach dieser interessanten Führung bleiben wir noch kurz am Haus, um dann den 10km langen Rückweg über die Forststrasse anzutreten. Hier geht es in sanftem Gefälle vom Haus Schachen nach Elmau, zunächst auf schlechter, dann auf besserer Wander-Strecke. Zahlreiche Mountain-Biker überholen uns in beide Richtungen bis wir nach ca. 2,5h den Parkplatz erreicht haben.

Wanderweg Info Haus Schachen

Wanderweg-Info zu Haus Schachen

"Die Nadel", das Hochtal hinter der Wettersteinalm

Hinter der Wettersteinalm beeindruckt das Hochtal "Die Nadel", es geht nach hinten rechts zum Schachentor..

Der Aufstieg zum Schachentor fordert die eigenen Kräfte

Der Aufstieg zum Schachentor fordert die eigenen Kräfte, hohe Wanderschuhe und gute Kondition sind hier gefragt.

Der Ausblick vom Schachentor zum Haus Schachen

Der Ausblick vom Schachentor zum Haus Schachen.

Das türkische Zimmer im Obrgeschoss des Hauses Schachen, leider völlig verwackelt aber um eine Ahnung zu bekommen reichts, oder?

das türkische Zimmer im Obrgeschoss des Hauses Schachen, leider völlig verwackelt aber um eine Ahnung zu bekommen reichts, oder?